Zinskommentar August 2020

Entwicklung der Wirtschaft

Deutschland:

Der Einbruch nach dem Lockdown war verheerend. Um fast 10% sank das BIP in Q2/2020. Schon im Auftaktquartal ging es um 2% abwärts. Vor allem der private Konsum, die Investitionen und der Außenhandel brachen ein. Genau diese Komponenten der Gesamtnachfrage sollten auch die Erholung in den kommenden Monaten tragen.

Die Frühindikatoren haben sich nach dem Absturz im Frühjahr teils kräftig erholt. Die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum sind sogar schon in der Expansionszone (>50) und damit höher als unmittelbar vor der Krise. Für das breiter gefasste Economic Sentiment und das deutsche Ifo Geschäftsklima fehlt aber noch ein gutes Stück zum Vorkrisenniveau.

Eurozone:

Für den Euroraum belassen wir die BIP-Prognose für 2020 bei -8,3%. Die Prognose für 2021 senken wir auf 6,0% (zuvor +7%). Zwar haben vor allem die großen Mittelmeeranrainer etwas mehr Rückenwind durch den Kompromiss auf dem EU-Gipfel vom Juli („NGEU“). Aber die Corona-Lage hat sich in Spanien und Frankreich zuletzt deutlich verschlechtert. Zudem waren die negativen Wirkungen des Lockdowns u.a. mit Blick auf den Tourismus stärker als gedacht.

China:

Die Unternehmensinvestitionen haben wieder nach oben gedreht. Allerdings bewegen sich nur die der Staatsunternehmen (SoE) wieder im positiven Bereich. Ungeachtet der hohen Verschuldung der (SoE) nutzt der Staat diese wieder einmal als Instrument zur Ankurbelung der Konjunktur. Chinas erstaunlich rasche Erholung ist stark „staatlich administriert“.

USA:

Die ISM-Frühindikatoren deuten auf eine kräftige Erholung der US-Wirtschaft hin und unser GDPNow-Modell schätzt das Wachstum des US-BIP in Q3 2020 auf rund 6 % (Q-Q).

Aktuelles aus dem Finanzsektor

Die von der US-Notenbank verkündete Anpassung ihrer geldpolitischen Strategie erhöht tendenziell auch den Druck auf die EZB, ihre Geldpolitik im Zweifel nochmals zu lockern bzw. eine mögliche geldpolitische Wende noch weiter hinauszuzögern. Kurz- bis mittelfristig kommt zu der anhaltenden Unsicherheit bezüglich der Corona Pandemie zudem das Risiko eines ungeregelten Brexit als möglicher Belastungsfaktor für die Konjunktur hinzu. Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir mittels einer leichten Senkung unserer Prognose für die 10-jährige Bundrendite, dass sich selbst im Falle einer Aufhellung der Coronalage auf absehbare Zeit allenfalls sehr begrenztes Renditeaufwärtspotenzial ergeben dürfte.